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Macht eine sprechende Artikelnummer Sinn?

Sprechende Artikelnummern entstanden aus der Zielsetzung, wichtigste Merkmale und Eigenschaften von Artikeln für Anwender erkennbar zu komprimieren, ohne dass grössere EDV-Struktur oder zusätzliche analoge Dokumentation notwendig ist.

Der Vorteil einer solchen sprechenden Artikelnummer ist:

Mitarbeiter mit Artikelkenntnis und langjähriger Zugehörigkeit können unterschiedlichste Artikel sofort identifizieren, zuordnen und entsprechend in Prozessabläufe eingliedern.

Der Nachteil dabei ist:

Jede typisierende Systematik ist im Grunde beschränkt: Stösst die Systematik an ihre Ausprägungsgrenzen, muss ggf. eine Neunummerierung durchgeführt ist werden oder das Nummernsystem muss zu Lasten der Konsistenz durchbrochen werden.

Für den Aufbau und die Aufrechterhaltung einer sprechenden Nummernsystematik wird ein komplexes System von Generierungsregeln benötigt, das i.d.R. als Add-On in den Standard der Anwendung integriert werden muss. Dies ist mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, wenn immer wieder neue Artikelgruppen wiederum neue oder ergänzende Generierungsregeln erforderlich machen. Dies führt oft dazu, dass ein Entwicklungsauftrag an den Systemanbieter erteilt werden, wenn keine eigene Entwicklungskapazität zur Verfügung steht.

Sprechende Artikelnummern in der Gesamtbewertung:

Sprechende Nummernsysteme werden eher rückläufig verwendet, sie wurden früher u.a. wegen der Beschränkungen in Speichermedien oder wegen funktionaler Beschränkung in Altsystemen aufgebaut. Häufig ist die Nummernsystematik extrem komplex, sodass die Artikelnummernvergabe nur durch eine Normenstelle erfolgen kann.

Fortlaufende Zählziffer als Artikelnummer

Vorteil einer fortlaufenden Zählziffer:

Die fortlaufende Zählziffer hat keine Systematikgrenzen. Der Anwender gewinnt dadurch Zeit, sich mit den Beschreibungsmerkmalen der einzelnen Artikel zu beschäftigen statt mit der aufwendigen Entwicklung einer Logik und Systematik für ein Artikelnummernsystem.

Nachteil:

Die Artikelnummer ist i.d.R. anonym, nur bei langjähriger Anwendung bilden sich Erkennungsmerkmale heraus. Existieren keine gut organisierte Bezeichnungsschemata und Sachmerkmalleisten, ist ein Auffinden von Artikeln nicht ohne Aufwand möglich.

Die Empfehlung für die Einführung eines Neusystems:

Wenn ein Artikelnummernsystem sich überlebt hat, weil vielleicht diejenigen Mitarbeiter, die es einst entwickelt haben, nicht mehr verfügbar sind oder weil bestimmte (nur organisatorisch vorgegebene) Bedingungen nicht mehr bekannt sind oder nicht mehr eingehalten werden, sollte ein neues Nummernsystem eingeführt werden, das nur auf einer Zählziffer basiert,

Dieses Verfahren, ein Artikelnummernsystem neu zu gestalten, ist bei einem ERP-Systemwechsel durchaus geübte Praxis.

Notwendige Massnahmen, die man im Vorfeld beginnen sollte (12 Monate vor Einführung
eines neuen ERP-Systems):

Prüfung der Artikelbezeichnungen auf Einheitlichkeit

  • Großbuchstaben oder gemischte Schreibweise
  • Mit/ohne Umlaute
  • Mit/ohne Abkürzungen
  • Konzept für den Aufbau von Bezeichnungen
    • Klärung der Länge von Bezeichnungen – durchaus häufig praktizierte Längen von Artikelbezeichnungen mit 30, 40 oder auch 60 Stellen in unterschiedlichen Systemen.
      Schwierigkeit: Letztendliche Entscheidung erst nach Auswahl des künftigen Systems möglich
    • Prüfung auf maschinelle Überarbeitung der Bezeichnungen
  • Artikeltexte für den internen Gebrauch
  • Artikeltexte von Lieferanten
  • Artikeltexte von Kunden

Überarbeitung des Artikelstamms im Altsystem

  • Vergabe einer neuen Artikelnummer und Abspeicherung im Artikelstamm
    (vorbereitende Maßnahme für die anstehende Konvertierung)
  • Überarbeitung/Anpassung der Artikelbezeichnungen (Prüfung auf maschinelle Durchführung, s.o.)
  • Aufbau einer Sachmerkmalleiste
    • Zumindest Konzept für die Generierung der Artikelstämme im neuen System
    • Prüfung der Artikel auf Verwendung
    • Vorbereitung der Löschung incl. Stücklisten, Arbeitspläne
    • Setzen auf ungültig
    • Klärung der notwendigen Beibehaltung im Artikelstamm
    • Ggf. Vorbereitung einer Archivierung von Artikelstämmen

Vorbereitung für die neue Organisation der Artikelstammverwaltung

  • Vorgabe einer Organisation, wie neue Artikelstämme in das neue System gelangen sollen
    • Via Normenstelle
    • Via Technisches Büro (Konstruktion)
    • Via PDM-System (Produktdatenmanagement)

Relevante Aufgaben bezüglich der Artikelnummernvergabe in der Systemauswahl

  • Vergabemöglichkeiten von Artikelnummern durch das System
    • Manuell
    • Maschinell
    • Maschinell mit manueller Übersteuerung
    • Aus der Konfiguration heraus
  • Felder im neuen Artikelstamm
    • Alte Artikelnummer
  • Funktionen im neuen Artikelstamm
    • Suchfunktion alte – neue Artikelnummer (Überkreuzsuche)
    • Generierungsmodalitäten von Artikelnummern
      • Parametrierbare Vorgabe der Länge einer Artikelnummer (z.B. 7-, 8- oder n-stellig)
      • Entscheidung numerisch – alphanumerisch (parametrierbar)
      • Vorgabe einer Kombinatorik von numerischen und alphanumerischen Bestandteilen (parametrierbare Logik)
  • Länge von Artikelbezeichnungen, 30, 40, 60 Stellen …
  • Umsetzung einer Sachmerkmalleiste (Bestandteil der Artikelstammverwaltung oder des PDM-Systems)
    • Einstufig
    • Mehrstufig
    • Beliebig aufbaubar
    • Beliebig viele Beschreibungselemente (Attribute)
    • Ggf. in Verbindung mit einem PDM-System (Produktdatenmanagement)
pfeil

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